American Beauty [VHS] …brilliant… – Christoph Simoner – Wien
…ist diese cohen company produktion…
einer der besten filme meines lebens, war ab dem ersten sehen unter meinen top 10, könnt ihn immer wieder sehen und mir würde nie langweilig dabei werden.
die story ist genau so simpel wie genial: kevin spacey (grandios gespielt, zurecht oscar dafür) als lester burnham, ein völlig durchschnittlicher typ in einem auf mich ziemlich fad wirkenden amerikanischen vorort, in dem jedes haus wie das andere aussieht und der rasen genau 5mm hoch ist…
seine ihm zugemutete, ein völliger workaholic, gepeinigt von dem drang, andauernd allen gefallen zu müssen, hat sein leben in einen faden grauen und total spiessigen alltagstrott verwandelt. die einzige tochter fühlt sich dazu unverstanden und hasst ihre eltern wie die pest…
eine denkwürdige begegnung mit dem nachbarjungen und seine vorliebe für eine freundin seiner tochter lassen ihn schlagartig umdenken: weg mit der faden dinnermusik, vergiss den spiessigen familienkombi, kündige deinen trostlosen job und lebe dein leben!
materialismus ist sowas von unnötig, daraus besteht nicht das leben – ganz grosse klasse!!
die art und weise wie er das bewerkstelligt, führt natürlich auf breites unverständniss in in seinem ganzen umfeld…
das ganze gipfelt in einem ziemlich schrägen ende, welches man so nie erwartet hätte…
die geniale kameraführung, der gute schnitt und vor allem die gut gewählt filmmusik machen diesen streifen zu einem absolut sehenswerten klassiker!!!
fazit: absurd geniale komik, schauriger alltagshorror, großartige schauspieler, wahnsinns drehbuch – muss man einfach gesehen haben!!!
Vater onaniert
Die Kernfamilie ist in einem schlechten Zustand. Vater: Lester Burnhams (Kevin Spacey) einziger Höhepunkt des Tages besteht aus dem morgendlichen Onanieren unter der Dusche. Mutter: Carolyn Burnham (Annette Bening) versucht verzweifelt, Häuser zu verkaufen. Kind: Jane Burnham (Thora Birch) langweilt sich zu Tode und verachtet ihre Eltern. Sie leben zusammen im wirtschaftlich unbedrohten amerikanischen Siedlungs-Mittelstand; dem Ort also, der seit ungefähr zwei Jahren den Fokus des neuen US-Familienfilms bildet, dessen letzte Beiträge Happiness und Tief wie der Ozean waren.
Und so wie Lester eines Nachts keinerlei schamhafte Reaktionen mehr zeigt, als Carolyn ihn onanierend im Ehebett ertappt, so überraschend zügig werden die Brüche innerhalb der Familie nach außen gekehrt. Lester kündigt seinen Werbe-Job, zwingt seinen Boss zu einer gepfefferten Abfindung, verguckt sich in die blonde Cheer-Leader-Freundin (Mena Suvary) seiner Tochter und kehrt zurück zu den Träumen seiner Jugend. Mitsamt Pink Floyd, einem roten Sportwagen und Joints, mit denen er von dem neuen Nachbarsjungen Ricky (Wes Brentley) versorgt wird. Carolyn stürzt sich in eine Affäre mit dem Gott der Immobilienmakler (Peter Gallagher) und tobt sich mit Handfeuerwaffen aus. Jane verliebt sich in Ricky und plant mit ihm, den verhassten Vater umzubringen. “I need a father as a role model, not some horny geek boy.” Der ist bereits tot, denn die ganze Geschichte wird gleichsam rückblickend erzählt – eingeleitet mit den Worten: “My name is Lester Burnham. This is my neighbourhood, this is my street, this is my life. I am 42 years old and in six month’ I am already dead.”
Bis er – mit einem Lächeln auf den Lippen in einer dekorativen Blutlache – das Zeitliche segnet, wird es bei allen Familienmitgliedern um Ausbrüche aus ihrem Leben gehen. Von Träumen wird viel zu sehen und zu reden sein, von enttäuschten Erwartungen, von verhinderten und sich b
efreit wähnenden Lebenskonzepten, die sich in ihren Grenzen begegnen. Gut sieht das aus, zum Aufbruch im roten Pontiac ertönte die richtige Musiknummer, das Type-Casting stimmt, es gibt eine Menge zu lachen, niemand wird dabei zum endgültigen Opfer eines billigen Gags und niemand in seinem/ihren Wollen so abgründig, dass es den Konsens der Selbstverwirklichung und also das Verständnis gefährden könnte. Kenner werden dem Theater-Regiestar und Film-Debütanten Sam Mendes bescheinigen, dass sein Film glänzend funktioniert, und das wird nicht gelogen sein.
Warum ich mich dennoch nachträglich immer mehr über American Beauty geärgert habe, hat mit dieser Qualität, dem Funktionieren, zu tun und mit dem Preis, den die Möglichkeiten dieses Films und seines Sujets dafür zahlen müssen. Verkürzt gesagt waren Filme wie Eissturm, Tausend Morgen, Der Gejagte und Tief wie der Ozean deshalb so großartig, weil sie mit den Mitteln des Melodrams einen Blick auf die Familie warfen, der genau das auf ungemein kluge Art vermied, was so leicht mit und in Familien in- und außerhalb des Kinos geschieht: stereotype Rollen, klischierte Figuren, mangelnder Respekt, fehlende Aufmerksamkeit. Was diese Filme schufen, war die Verflechtung von Einfachheit und einer Komplexität, die tatsächlich tief wie der Ozean war.
American Beauty baut auf diese Bewegung auf, ohne sie wirklich verstanden zu haben. Er will funktionieren, auf keinen Fall verstören und revitalisiert darüber quasi automatisch die Muster der dominanten Fiktion. Die deutlichste Sprache spricht dabei das Geschlechterverhältnis, in dem allein den Männern vorbehalten bleibt, Aktion und Aufbrüche zu initiieren. Während Lester weitestgehend zum Schmied seines Glücks werden darf, muss Jane von Ricky bewegt werden und wird Carolyn niemals aus ihrer Rolle aussteigen: zum Seitensprung und zum Schießen wird sie von ihrem Geliebten verleitet und selbst ihr finales Motto, “Ich will kein Opfer mehr sein!”, spricht sie ei
ner männlichen Stimme auf Kassette nach, was dann natürlich genauso klingt wie ihre berufliche Autosuggestion “Ich werde dieses Haus verkaufen!”.
Rickys Mutter (Allison Janney), eine verstörte Frau, die offensichtlich das Funktionieren der familiären Ordnung mit dem eigenen Leben bezahlt hat, wird durch den Film ein zweites Mal getötet, indem sie ausnahmslos als Medium für die Eigenheiten ihres Mannes (Chris Cooper) und ihres Sohnes im Bild erscheinen darf. Das Interesse des Films geht auch über sie und jene hegemonialen Strukturen hinweg, die hier allein als Zitat eine mehr oder minder ironische Funktion zu erfüllen haben – american beauty. Damit ist das Familien-Melodram keinen Schritt weiter gegangen – eher einen zurück.
: Von der ersten Einstellung an, einem Establishment Shot einer typisch amerikanischen Vorstadt-Umgebung, besticht American Beauty durch bewundernswerte Selbstsicherheit und Scharfsinn, die durch Kevin Spaceys ruhige Erzählung verkörpert werden. Spacey ist Lester Burnham, ein geplagter Jedermann, dessen Midlife Crisis das Rückgrat des Films bildet. Schon seine ersten Zeilen ziehen den Zuschauer mit stichelndem Fatalismus in ihren Bann. Wie Joe Gillis in Boulevard der Dämmerung erzählt auch Burnham seine Geschichte posthum aus dem Grab heraus. Ein kühner Start für einen Film, der diese Kühnheit mehr als rechtfertigt. Sozialsatire, Familientragödie und eine Wer-hat-es-getan-Geschichte miteinander verwebend, wagt Alan Balls erstes Bühnenskript, Genregrenzen zu verwischen und uns aus dem Gleichgewicht zu bringen, indem es nahtlos von schwarzer Komödie zu einem tief bewegenden Drama übergeht.
Die Burnham-Familie reiht sich perfekt in die Liste disfunktionaler amerikanischer Kinofamilien ein, als Lester gegen seine manische, materialistische Makler-Frau Carolyn (Annette Bening, die aus ihrer unsympathischen Rolle das Bestmögliche heraus holt) und seine mürrisch herablassende Teenager-Tochter Jane (Thora Birch, ausgesprochen überzeugend in ihrer Gradwanderung zwischen Egozentrik und wehmütiger Sehnsucht) aufbegehrt. In das Leben der Kernfamilie treten zwei Außenseiter, die ausreichend Projektionsfläche für brach liegende Lebensenergie und verborgene Wünsche bieten: Eine Cheerleaderin (Mena Suvari), die Lester in sexuelle Fantasien und damit in einen zweiten Frühling katapultiert. Und ein irritierend ruhiger junger Nachbar (Wes Bentley), der durch seinen clever zurückhaltenden Einfluss, Lester und Jane nachhaltig verändert.
Der britische Theaterregisseur Sam Mendes entpuppt sich als unglaublich begabter Leinwand-Newcomer. Es gelingt ihm, die potenziell unvereinbaren Elemente der Geschichte zu einem ausgezeichneten Ensemblestück zu vereinen, das eine eigene Gangart entwickelt, ohne in transparente Selbstverliebtheit abzugleiten. Mendes hat zu seiner Erfolgsarbeit kluger Weise eine Crew aus erfahrenen Bühnenveteranen hinzu gezogen. Visual Designer Conrad Hall beispielsweise rundet den Film ab, indem er das triste Interieur des Burnhamschen Lebens mit lebhaftem Purpurrot, der Farbe von Rosen und von Blut, kongenial kontrastiert. Darüber hinaus ist Mendes mit Wes Bentley eine fantastische Neuentdeckung geglückt. Ihm gelingt es mit seiner beeindruckenden Darstellung des Ricky Fritts, stellenweise zum Dreh- und Angelpunkt der Handlung zu werden. –Sam Sutherland American Beauty [VHS]
- Studying American Beauty: Student Edition (Studying Films)
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